Es war an einem lauen bewölkten Tag mitten im Herbst. Da machten wir uns, vier Mitglieder vom SC Oranienburg, auf die lange Reise ins hessische Bad Wildungen. Um 13Uhr begann der wirklich spannende Trip und wir fuhren mit guter Laune und unterhaltsamer Musik los. Nach nur 4 ½ Stunden Fahrzeit kamen wir bei unserem Domizil, einer Forsthütte ca. 30 Autominuten von Bad Wildungen entfernt, an. Es herrschte bei uns allen vier: Christopher Luthardt, Ihor Ivashchenko, Wolfgang Tschirswitz und Stefan Tschirswitz helle Vorfreude, ob des bevorstehenden Turniers der Deutschen Schach-Amateur Meisterschaft. Kaum angekommen in der Forsthütte packten wir das Schachbrett aus, öffneten die ein oder andere Flasche Radler und stärkten uns mit den von uns vorher besorgten Lebensmitteln. Doch wir sollten an diesem Abend nicht allzu alt werden, schließlich würde am kommenden Tag das Turnier beginnen. Also hieß es früh schlafen gehen und früh wieder aufstehen. Am nächsten Morgen, nach einer kurzen Autofahrt, erreichten wir das Maritim-Hotel in Bad Wildungen und bereiteten und mental auf unsere erste Runde vor, machten ein paar Erinnerungsfotos und begrüßten alte und neue Bekannte. Um kurz nach 10 Uhr ging es dann endlich zur Sache, die erste Runde wurde eingeläutet.
Runde 1
Aufstellung:
Gruppe D: Christopher Luthardt
Gruppe E: Ihor Ivashchenko
Gruppe F: Stefan Tschirswitz
Gruppe G: Wolfgang Tschirswitz
Ich schnappte mir meinen Kaffeebecher und setzte mich an meinen Startplatz. In der F-Gruppe bekam ich (Stefan Tschirswitz) es mit schwarz mit Björn Hüther zu tun. Die Partie dauerte zu meinem Glück nur etwas mehr als 26 Züge und dann gab mein Gegner aufgrund eines unausweichlichen Mattmotivs auf.
Mein Vater, Wolfgang Tschirswitz, hatte da schon deutlich mehr zu kämpfen, auch wenn er letztendlich seine Gegnerin, Andrea Kubiak, im Endspiel niederkämpfte, die am Ende auch noch die Zeit im Nacken hatte.
Christopher Luthardt, in Gruppe D, sah sich zu Beginn seiner ersten Partie enormem gegnerischen Druck ausgesetzt, erst gegen Ende der Partie, konnte er durch einen Fehler von Gerfried Scholz, die Stellung wieder ausgleichen und bot Remis. Ein Ergebnis mit dem offensichtlich beide Seiten leben konnten.
Als letzter im Bunde spielte Ihor Ivashchenko gegen Elena Simon und Ihor erkämpfte sich einen strategischen Vorteil im Mittelspiel. Als er jedoch im übertragenen Sinne, den Sack nur noch hätte zumachen müssen, wählte Ihor die falsche Figurenabtauschfolge und erlaubte es seiner Gegnerin die Oberhand zu gewinnen. Es entstand ein materieller Nachteil, den Ihor nicht mehr ausgleichen konnte. Logische Schlußfolgerung: Niederlage für Ihor.
Runde 2
In Runde 2 setze Wolfgang Tschirswitz seinen positiven Trend fort, er hatte mit seinem Gegner, Daniel Reimuth, weitaus weniger Mühe als gegen seine vorherige Gegnerin und schaffte am Ende die Partie in einen Sieg zu verwandeln. Somit hatte er den perfekten Start hingelegt.
Christopher Luthardt hatte in seinem Spiel gleich mehrmals die Möglichkeit gegen Rüdiger Wulff die Partie gewinnbringend zu beenden, verpasste jedoch auf dem Brett seine zwei Chancen dies auch praktisch in die Tat umzusetzen. Eine dritte Chance gab ihm sein Gegner nicht. Allerdings unterlief Christopher auch kein Fehler mehr und so endete auch seine zweite Partie Remis.
Ihor war nach seiner ersten Partie recht unzufrieden mit sich selbst und wollte es in der zweiten Partie besser machen. Dies gelang ihm auch und er konnte gegen Vural Ücöz, nachdem dieser seine Dame im 39. Zug verlor, erfolgreich für sich entscheiden.
Mein zweiter Gegner hieß Dmitry Bezverkhiy und machte es mir deutlich schwerer als mein Gegner die Runde zuvor. Es war ein langes Hin- und Her bei dem ich auch leicht hätte den Kürzeren ziehen können. Aber mein Gegner war wohl etwas von der Tatsache beeindruckt, an Brett 2 in seiner Gruppe spielen zu dürfen und fand nicht die präzisesten Züge gegen meine unsaubere Spielweise. Je länger das Match dauerte desto komfortabler fühlte sich meine Position an. Irgendwann wurde mein Gegner so nervös, dass er einzügig seinen verbliebenen Turm einstellte und gab in Folge dessen völlig entnervt auf. Also 2 aus 2 für mich. So kann es ruhig weitergehen dachte ich mir.
Der Tag war nun vorüber und wir schleppten unsere müden Knochen zum nächstgelegenen Supermarkt, um noch ein paar nahrhafte Lebensmittel einzukaufen. Die Stimmung bei uns war gut, schließlich hatte wir als Mannschaft 6 von 8 möglichen Punkten geholt und noch konnte sich ein jeder von uns für das Finale qualifizieren. Und so schauten wir hoffnungsvoll in Richtung des nächsten Tages.
Runde 3
Am nächsten Tag begann das Turnier für uns bereits eine Stunde früher. Spielbeginn war 9Uhr und so mussten wir etwas mehr Kaffee trinken als gewohnt, um auf das gleiche Aktivitätslevel zu kommen, wie den Tag zuvor.
Mein erster Gegner hieß Heribert Kramer, ein 78jähriger Routinier, dem man weder seiner Alter auf dem Brett, als auch neben dem Brett anmerkte. Heribert spielte derart schnell und genau, dass ich am Ende der Partie in Zeitnot geriet, während er noch gut eine Stunde auf der Uhr hatte. Nachdem wir die Damen und die Türme abgetauscht hatten bot er mir Remis an, welches ich zunächst ablehnte. Wohl wissend um einen kleinen Endspieltrick den ich noch im Köcher hatte, aber Heribert war zu ausgebufft und erkannte, dass der vermeintlich wohlschmeckende Bauer, den ich ihm anbot, doch vergiftet war. Als er seinen Springer taktisch klug zurückzog, sah auch ich ein, dass es eine Remisstellung war und bot ihm meinerseits das Remis an, welches er annahm.
Ihor setze seinen positiven Trend gegen Andreas Back fort. Ihor kam gut aus der Eröffnung und stellte seinen Gegner schon früh vor schwerwiegende Probleme Bereits nach 23 Zügen, gab Andreas Back auf, weil das Spiel einfach zu einseitig war. Sieg für Ihor
Christopher Luthardt bekam in seiner dritten Partie mit Achmat Salachov einen nominell wesentlich stärkeren Gegner vor die Flinte. Die Partie war sehr ausgeglichen und Christopher bot in einer Stellung, die man getrost als absolut remislastig ansehen kann zwar die Punkteteilung an, aber sein Gegner hoffte wohl noch auf ein Wunder oder Ähnliches. Daraus wurde nichts, nach zermürbenden 4 ½ Stunden Schach endete die Partie leistungsgerecht mit einem Unentschieden.
Wolfgang Tschirswitz mit seinen zwei Siegen vom Vortag im Rücken hatte sich viel vorgenommen und spielte mit schwarz auf e4 die sizialianische Verteidigung. Leider unterliefen ihm in der Eröffnung einige Schnitzer. Fehler, die sein Gegner, Hans-Jörg Rossberg, geschickt ausnutzte und so materiell in Vorteil kam. Alles winden und tricksen half Wolfgang in dieser Partie nicht und so endete die Partie mit einer Niederlage für ihn.
Runde 4
Nachdem Christopher in Runde 3 viel Energie aufbringen musste um das Remis zu erreichen kam in Runde 4 mit Timon Liam Weiner ein ähnlicher DWZ-Brocken auf ihn zu. Doch wie Christopher später selbst zugab, spielte er die Eröffnung alles andere als optimal und gab so seinem jungen Kontrahenten die Möglichkeit die Partie an sich zu reißen. So kam es auch, sein Gegner nutze die strukturellen Schwächen in Christophers Stellung gnadenlos aus und so gab Christopher in hoffnungsloser Stellung letztendlich auf. Die erste Niederlage für ihn bei diesem Turnier
Wolfgang war in Runde 4 sichtlich um Wiedergutmachung bemüht, aber sein Gegner Jarmo Frey wollte da auch noch ein Wörtchen mitreden. Wolfgang, fest entschlossen diese Partie zu gewinnen, wiederholte die alten Fehler nicht und setzte seinen Gegner gekonnt unter Druck. Nachdem die Eröffnung und das Mittelspiel keinen klaren Vorteil für einen von beiden brachte musste das Endspiel über die Punkteverteilung entscheiden. Wolfgang wurde ein Remis angeboten, welches er jedoch ablehnte. Hätte er es mal angenommen, denn im Anschluss an dieses Remisgebot unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler, der partieentscheidend war, leider.
Meine vierte Partie, war dagegen kurz und knapp. Mein Gegner, Torsten Baublies, spielte die Eröffnung zwar noch recht sauber, aber im Mittelspiel unterliefen ihm zwei fatale Fehler, die mir den Sieg einbringen sollten. Nach nur 16 Zügen setzte ich meinen Gegner verdient matt und war nur einen halben Punkt hinter Platz 1.
Ihors vierte Partie war größtenteils sehr ausgeglichen. Sein Gegner Dr. Uwe Schneider hielt Ihor´s Angriffsbemühungen zum Trotz die Stellung und verteidigte sich erfolgreich. Am Ende jedoch unterlief ihm doch ein Fehler und so entschied ein einziger Zug über Glück und Unglück. Mit einem gleichzeitigen Schachgebot und dem Angriff auf die gegnerische Dame entschied Ihor am Ende die Partie für sich und sein Gegner gab folgerichtig auf.
So verließen wir den Turniersaal mit gemischten Gefühlen. Ihor und ich waren glücklich über den Verlauf von Turniertag 2 während Wolfgang und Christopher verständlicherweise ihre Wunden leckten und vergebenen Chancen nachtrauerten. Doch noch war die Qualifikation für 2 von uns 4 Spielern drin, ob es gelingen würde hing ganz von Ihor und mir ab und würde sich mit der letzten Turnierpartie zeigen.
Runde 5
Ungewohnt ausgeruht betraten wir am dritten Tag den Turniersaal. Wir gingen alle am Vortag so früh ins Bett, dass es einfach unmöglich war nicht ausgeruht zu sein.
Christopher bekam mit Albert Ferderer die letzte Chance auf einen Partiesieg in diesem Turnier. Die sollte jedoch nicht von Erfolg gekrönt sein. In einer recht zähen Partie begegneten sich beide Spieler stets auf Augenhöhe und so endete auch diese Partie für Christopher mit einem Remis.
Wolfgang, sichtlich geknickt wegen seinen Ergebnissen vom Vortag, schaffte es in seiner letzten Partie nochmal alle Kräfte zu bündeln und holte sich verdient seinen 3. Turniersieg gegen Günter Hilgert, der mit dem Ausgang alles andere als glücklich war.
Nun zu Ihor, dieser bekam es mit Michael Graf zu tun. Es war eine sehr umkämpfte Partie, in der Ihor bereits nach 16 Zügen einen Springer einstellte. Sein Gegner, nun materiell in Vorteil, witterte Morgenluft und warf alles in die Waagschale, während sich Ihor damit begnügen musste geschickt zu verteidigen, was er auch tat. Die Partie kippte dann jedoch nach 43 Zügen zu Gunsten von Ihor, als sein Gegner einen für ihn ungünstigen Figurenabtausch einleitete. Ihor konnte nicht nur materiell ausgleichen, sondern leitete zeitgleich einen tödlichen Mattangriff ein. Einen Zug vor dem endgültigen Matt, gab sein Gegner auf und war fassungslos.
Ich dagegen bekam es mit Ulrich Fernschild zu tun. In Gruppe F war es bei den oberen Rängen ein Kopf-an-Kopf-Rennen So kämpfte ich am letzten Tag bei der letzten Partie um Platz 1 an Brett 1 gegen meinen bisher nominell stärksten Kontrahenten. Dieser kam auch besser aus der Eröffnung und bereitete mir lange Zeit Schwierigkeiten, da mein Damenflügel bis ins Mittelspiel sichtlich unterentwickelt war. Ein Umstand, den ich zum Glück beheben konnte. Im Anschluss daran stabilisierte sich meine Stellung zusehend und so konnte ich beide Türme sowie die Dame getrost abtauschen. Es war ein sehr positionelles Spiel ohne großartige taktische Finten, wohl auch deswegen, weil keiner von uns beiden die letzte Partie verlieren wollte. Nach dem Abtausch der Schwerfiguren und mit Materialgleichstand, bot ich meinem sympathischen und gut spielenden Kontrahenten das Remis an, welches er annahm.
Fazit:

Zur Übersicht der Punktestand von uns allen am Ende des Turniers.
Gruppe D: Christopher Luthardt 2 aus 5
Gruppe E: Ihor Ivashchenko 4 aus 5 ( Platz 5 und für’s Finale qualifiziert)
Gruppe F: Stefan Tschirswitz 4 aus 5 ( Platz 2 und für’s Finale qualifiziert)
Gruppe G: Wolfgang Tschirswitz 3 aus 5

Das Turnier in Bad Wildungen war sowohl aus sportlicher als auch aus menschlicher Sicht ein wirklich schönes Turnier. Wir die vier Oranienburger bestanden so manche Herausforderung vor allem als Team, bauten uns in Phasen des Zweifels immer wieder auf und motivierten uns gegenseitig, wenn es um´s Ganze ging. Auch die gemeinsamen Analysen im Anschluss an unsere Turnierpartien, sowie die unterhaltsamen Gespräche im Hotelrestaurant werden mir noch lange in positiver Erinnerung bleiben. Zwei von vier Spielern konnten sich für das Finale im nächsten Jahr in Dresden qualifizieren und das bereits beim ersten Versuch. Weitere werden hoffentlich folgen, die Saison ist ja noch lang.
Stefan Tschirswitz & die Schachfreunde vom SC Oranienburg
