Es gibt Momente im Leben, die man als alltäglich bezeichnen kann, man erlebt sie jede Woche. Kleinere Erfolge, Misserfolge, bedeutungslose Niederlagen oder ehrlose Siege. Dann wiederum gibt es Ereignisse im Leben die sind je nachdem was für ein Typ Mensch man ist einzigartig. Ob es die eigene Hochzeit ist oder die Geburt des eigenen Nachwuchses. Manche Dinge erlebt man nur einmal im Leben. Doch das Ereignis vom dem ich berichten möchte liegt irgendwo dazwischen. Es handelt sich um das diesjährige Finale der Deutschen Schach-Amateur Meisterschaft kurz DSAM. Ein Ereignis das nur einmal im Jahr stattfindet und zu dem nur ein erlauchter Kreis von Qualifikanten Zutritt hat. Pro Gruppe waren es ca. 50 Teilnehmer und es wurde in verschiedenen Stärkengruppen gespielt. Von Gruppe A bis Gruppe G waren alle Stärken im Amateurschach vertreten und kämpften 3 Tage lang um die begehrten Plätze 1-7. Wir, drei mutig entschlossene Mitglieder des Schachclub Oranienburg, wagten die weite Reise ins hessische Bad Wildungen. Die Reisegruppe bestand aus meiner Wenigkeit, Stefan Tschirswitz, als leider nicht qualifizierter Sekundant, Christopher Luthardt (Qualifikant für Gruppe E) und Ihor Ivashchenko (Qualifikant für Gruppe G).
Trotz strömenden Regen und allerlei Probleme auf der Hinfahrt erreichten wir schlussendlich unser Ziel und genossen den Vorabend des Turnierbeginns mit allerlei Leckereien, die in einer typischen Männer-WG so verspeist werden. Joghurt, Pizza und Bier sollten die Basis für ein gutes Turnierergebnis sein.
Doch nun zum eigentlichen Event. Am Donnerstag den 17.7.2025 ging es im Maritim-Hotel Bad Wildungen früh am Morgen um 10Uhr offiziell los. Ein wunderschöner Spielsaal stand allen Qualifikanten nebst unendlich viel Kaffee und Mineralwasser zur Verfügung. Die Spiele wurden eröffnet und man konnte das eifrige Klicken der Schachuhren vernehmen. Als Sekundant nahm ich mir bei sonnigem Wetter eine kleine Auszeit auf der Wiese bis ich nach ca. 1 ½ Stunden von meinem Vereinskollegen Ihor aus meinem Dornrösschen-Schlaf gerissen wurde. Partie Nummer 1 war vorbei und er hatte gewonnen. Überzeugend besiegte er seinen Gegner Roland Neumeier nach relativ kurzer Zeit mit vier Mehrbauern am Ende und holte sich eine Dame. Die Messe war gesungen und die Partie entschieden. Christopher in Gruppe E kämpfte noch nachdem sein Gegner auf die Eröffnung d4 mit c5 antwortete und sich eine sehr unorthodoxe Partie auf dem Brett entwickelte. Leider musste er sich gegen Fabian Gesell am Ende geschlagen geben. Und so war für uns der erste Akt absolviert. Wir diskutierten fleißig, über die absolvierten Partie, was wäre für Christopher noch drin gewesen? Wie kann Ihor trotz des Erfolgs sein Spiel verbessern und so weiter.
Um 16Uhr erfolgte der Startschuss für Runde 2. Christopher wollte seinen Fehlstart wettmachen und duellierte sich mit Wolfgang Maly, der das Orang-Utan-Gambit probierte auf´s Brett zu kriegen. Beiden Spielern gelang jedoch kein entscheidender Durchbruch beim Gegenüber, so dass beide sich nach 2 Stunden auf Remis einigten. Ihor, der durch seinen Auftaktsieg ordentlich angespornt war, bekam es in Gruppe G mit Max Kruse zu tun. Es war eine Partie auf Augenhöhe, doch im Mittelspiel gingen vielleicht die Gäule mit unserem ukrainischen Vereinskollegen durch als er besonders kreativ spielen wollte. Jedenfalls unterlief Ihor ein entscheidender Fehler, von dem er sich in dieser Partie nicht mehr erholte. So musste er sich am Ende geschlagen geben.
Aber wie sagt man so schön: Mal verspeist man den Bären und mal wird man vom Bären verspeist. Es waren ja für beide noch 3 Partien offen. In unserem Feriendomizil angekommen analysierten wir die guten und die schlechten Züge der jeweiligen Partien und gingen nach aufregenden Debatten schlafen. Der nächste Tag startete für Christopher wie der alte aufgehört hatte. Gegen Dirk Kramer als Gegner reichte es zu einem leistungsgerechten Remis, mehr war leider in dieser Partie nicht drin. Ihor schien aus seinem gestrigen Schnitzer gelernt zu haben und fertigte Phil Albrecht in beeindruckender Weise ab. Am Nachmittag in Runde 4 musste er deutlich mehr Zeit und Energie investieren, doch auch Ilja Debus musste sich gegen Ihor am Ende geschlagen geben. Das sah in Gruppe G also schon mal gut aus 3 von 4 möglichen Punkten geholt und die Möglichkeit auf´s Treppchen gewahrt.
Christopher spielte an seinem Brett gegen Andreas Huber und konnte in Runde 4 seinen völlig verdienten ersten Sieg einfahren. Nachdem er den König auf der Grundlinie mit seinen Bauern festnagelte konnte er die letzten beiden Türme tauschen und war ein mit den Bauern ein paar Tempi schneller als sein Gegner. Dieser gab auf, weil sein eigener Freibauer von Christophers neugewonnener Dame problemlos hätte gepflückt werden können.
Am dritten und letzten Turniertag hieß es noch einmal alle Kräfte für die 5. Und letzte Partie zu mobilisieren. Zuerst zu Christophers Partie. Dieser bekam es mit Alina Damrich zu tun und es entwickelte sich eine hochtaktische Partie. Beide Seiten hatten ihre Chancen und doch endete diese wirklich interessante Partie Remis, da beide Seiten nach 4 Partien in den Knochen nicht fehlerfrei spielten. Christopher hatte also 2 ½ aus 5 möglichen Punkten geholt, in einer wirklich starken Gruppe ein respektables Ergebnis, auch wenn vielleicht ein wenig mehr drin gewesen wäre. Aber es reichte zu einem Platz im Turniermittelfeld. Ihor hatte da deutlich mehr Druck, denn für ihn ging es noch um einen Platz auf dem Podium. Konstantin Hovhannisyan hatte jedoch was dagegen, denn auch er malte sich noch Chancen aus. Spätestens im Mittelspiel war jedoch beiden klar, dass es kein Spaziergang werden würde. Beide Kontrahenten kämpften verbissen um jeden Zentimeter auf dem Schachbrett bis Ihor schließlich eine Leichtfigur gegen einen Bauern gewinnen konnte. Die Waage neigte sich zu Ihors Gunsten, der die Partie etwas in die Länge zog und schon früher hätte beenden können, doch das änderte nichts an seinem Sieg der mit einem Matt auf der Grundlinie endete.
Ihor holte am Ende also 4 von 5 möglichen Punkten, ein wirklich erfolgreiches Turnier für unseren Vereinsneuling, der damit nicht nur unter die ersten 7 Plätze kam, sondern gleich in seiner ersten Saison den 3.Platz im Finale der DSAM belegte. Wir alle gratulieren ihm auf diesem Weg zu diesem wirklich tollen Ergebnis und hoffen auf weitere Erfolge in den kommenden Spielzeiten.

Ja das war es von meiner Seite. Am nächsten Tag traten wir die weite Rückreise in heimatliche Oberhavel wieder an und waren als Flachland-Tiroler wieder froh heimischen Boden unter den Füßen zu haben. Für weitere Infos rund ums Thema Schach besucht einfach unsere Seite: www.schachclub-oranienburg.de oder lasst ein Like auf unserer Facebook-Seite da.
Stefan Tschirswitz (SC Oranienburg)
